Zerrissene Dolomitenladiner

„Früher weit über Tirol verbreitet, leben sie heute zurückgedrängt in fünf herrlichen Dolomitentälern: in Ampezzo, Buchenstein, Fassa, Gröden und Enneberg. Das bunte Gemisch von fünf ladinischen Dialekten, der Mangel an einer einheitlichen Schriftsprache, ein zäher Konservatismus, treue Anhänglichkeit an Religion und die Heimat Tirol, eigenartige Heimatkunst, das zusammen bildet das Charakteristische des Ladinertums. Ein herrliches, natürliches Mosaik um die Sellagruppe herum und auf Grund des eigenen Willens und der Geschichte ein Kernbestandteil Südtirols.“ 

Dieses Zitat ist einem Artikel über die Ladiner entnommen, der in „Der Tiroler“ aus dem Jahr 1920 erschienen ist. Und so manches trifft auch nach fast 100 Jahren noch zu, oder nicht? Die Geschichte der ladinischen Volksgruppe auf der Suche nach der eigenen Identität zwischen zwei mächtigen Kulturen ist vielen in unserem Land unbekannt. Zu unbedeutend erscheint dieses Völkchen mit der eigentümlichen Sprache, aufgeteilt auf mehrere, ganz unterschiedliche Verwaltungsbereiche.


Umso gewichtiger und wichtiger ist das Werk, das Werner Pescosta erstellt hat. Darin beschreibt er die Entstehung und die Entwicklung der Ladiner rund um die Sellagruppe von der Vorgeschichte über die Römerzeit und das Mittelalter bis herauf in unsere Tage. Er beschreibt die Jahrhunderte der Umbrüche, das Entdecken der ladinischen Sprache, den Ersten Weltkrieg und die Unterdrückung durch faschistische Diktaturen.

In dieser medienüberfluteten, globalisierten Welt ist dieses Buch umso wichtiger für eine kleine Gemeinschaft in den Dolomiten, die sich – beim näheren Hinhören – von den anderen nur durch ihre Sprache unterscheidet. Herausgeber des Buches ist das ladinische Kulturinstitut „Micurà de Rü“.

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