Entschärfung des Alpinidenkmals

In Südtirol sollen alle faschistischen Relikte erklärt und somit entschärft werden. In Bruneck ist es das Alpinodenkmal, von dem nur mehr ein Torso zu sehen ist.

Die beiden Historiker Stefan Lechner und Giorgio Delle Donne haben nun im Auftrag der Stadtgemeinde Bruneck einen Textvorschlag ausgearbeitet und der Öffentlichkeit vorgestellt:

"Der faschistische Amtsbürgermeister von Bruneck regte 1936 die Errichtung eines Denkmals zu „Ehren" der Alpini-Division „Val Pusteria" an. Die Gebirgsjägereinheit, der auch Südtiroler angehörten, nahm am Kolonialkrieg Italiens gegen Abessinien, das heutige Äthiopien, teil. In diesem Vernichtungskrieg setzte die italienische Armee Giftgas gegen die schlecht ausgerüsteten Verteidiger und sogar gegen die Zivilbevölkerung ein.

 

Das Denkmal wurde am 6. Juni 1938 am Kapuzinerplatz eingeweiht, der durch neue Bauten und Symbole zu einem italienischen Zentrum in Konkurrenz zur historischen Altstadt Brunecks werden sollte.

 

Das vom Bildhauer Paolo Boldrin aus Padua angefertigte Standbild zeigte einen sechs Meter hohen und mit einem Gewehr bewaffneten Alpino, der nach Norden in Richtung Staatsgrenze ausgerichtet war. Es glorifizierte die „Val Pusteria", symbolisierte aber auch die Annexion Südtirols durch Italien nach dem Ersten Weltkrieg und die gewaltsame faschistische Italianisierungspolitik gegenüber der deutschen und ladinischen Minderheit ab Herbst 1922.

 

In Folge des deutschen Einmarschs in Italien im September 1943 wurde die Skulptur von Brunecker Bürgern vom Sockel gerissen und nach dem Krieg setzte sich die Nationale Alpinivereinigung für deren Wiederrichtung ein. Der Grödner Bildhauer Rudolf Moroder schuf einen vier Meter hohen unbewaffneten Alpino in schreitender Pose. Das Denkmal wurde im Juli 1951 eingeweiht.  

 

In der Zeit des Südtirol-Terrorismus zur Erringung des Selbstbestimmungsrechts ab Mitte der 1950er Jahre wurde das Monument, gesehen als Symbol des italienischen Staates, wiederholt beschädigt und bei einem Bombenattentat 1966 vollkommen zerstört. Ein neues Denkmal in alter Form für alle im Krieg oder bei zivilen Einsätzen ums Leben gekommen Alpini wurde 1968 enthüllt.

 

1979 wurde das Standbild neuerlich in die Luft gesprengt und ein Jahr später nur mehr die Büste des Alpino auf den Sockel gestellt.

 

Seit vielen Jahren ist eine öffentliche Debatte über die Bedeutung des Denkmals in Gang. Für einige symbolisiert es die Gebirgstruppen, die seit Jahrzehnten an internationalen Friedensmissionen teilnehmen und im Zivilschutz wichtige Aufgaben übernehmen. Für andere ist es immer noch eine Verherrlichung des Faschismus und seiner Kriege. Die Ereignisse rund um das Denkmal bzw. die Denkmäler können als wichtiger Teil der Lokalgeschichte im 20. Jahrhundert gesehen werden, deren Kenntnis zum besseren Zusammenleben beiträgt."

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    SSB (Montag, 11 April 2011 21:56)

    Wofür das Völkermord-Alpinidenkmal in Bruneck nach wie vor steht:

    „Ich habe gehört, daß ihr gute Familienväter seid. Das ist gut bei euch zu Hause: Nicht hier! Hier könnt ihr gar nicht genug Diebe, Mörder und Vergewaltiger sein!“

    “Ho sentito dire che siete dei buoni padri di famiglia. Ciò va bene a casa vostra: non qui. Qui non sarete mai abbastanza ladri, assassini e stupratori”…Diese Worte hatte der italienische General Alessandro Pirzio Biroli als Militärgoverneur von Montenegro an seine Soldaten – unter ihnen die Angehörigen der Alpinidivision „Pusteria“ – gerichtet, als es darum gegangen war, den am 12. Juli 1941 gegen die italienische Besatzungsmacht ausgebrochenen Aufstand der unterdrückten Bevölkerung mit äußerster Härte und Grausamkeit niederzuschlagen.

    Pirzio Biroli erklärte seinen Soldaten, daß sie bei der Bekämpfung des Aufstandes an kein Gesetz gebunden seien und für keinerlei Taten bestraft werden würden.

    Der General verfügte, daß die Einwohner der jeweils umliegenden Dörfer für jeden Partisanenüberfallbefahl mit verantwortlich gemacht werden sollten. Das führte zur Auslöschung zahlreicher Dörfer.

    Die Massenhinrichtung von Geiseln wurde zur laufend praktizierten Norm, an welche sich auch die Alpinidivision „Pusteria“ hielt. Dieser Einheit, welcher das Denkmal in Bruneck gewidmet ist, hatte General Pirzio Biroli befohlen, 50 Zivilisten für jeden verwundeten oder getöteten italienischen Offizier (“uccidere 50 civili per ogni ufficiale italiano ucciso o ferito”.) beziehungsweise 10 Zivilisten für jeden getöteten einfachen italienischen Soldaten zu erschießen.

    Unter den Kommandeuren der verschiedenen Einheiten brach daraufhin eine Art Wettkampf in der Anwendung immer härterer Methoden aus, was dazu führte, daß auch die Unterführer miteinander in Unmenschlichkeit zu wetteifern begannen.

    Massenvernichtung und Ermordung von Gefangenen

    Die Alpinidivision „Pusteria“ war auf diesem Gebiet freilich schon Einiges gewöhnt. Sie war Im Dezember 1935 aus Teilen anderer Alpinidivisionen gebildet und durch ausgehobene Mannschaften ergänzt worden, zunächst einzig und allein zu dem Zweck, an dem italienischen Raubüberfall auf Äthiopien teilzunehmen. Eine relativ geringe Anzahl von Südtirolern war zu dem Dienst in dieser nahezu rein italienischen Division gepreßt worden. Man wollte mit dem Namen der Division und mit der Teilnahme von Südtirolern vorgaukeln, es habe sich hier um eine Südtiroler Einheit gehandelt. In Wahrheit aber hatten sich hunderte Südtiroler diesem Schicksal durch Flucht über die Berge nach Österreich und in die Schweiz entzogen und die Division war eine nahezu rein italienische Einheit geblieben.

    Ende Jänner 1936 war die Division „Pusteria“ in Massaua in Eritrea an Land gegangen und hatte an dem Einmarsch der Nordtruppen nach Äthiopien teilgenommen, der unter dem Kommando der Generäle Alessandro Pirzio Biroli, Guggero Santini und Pietro Maravigna gestanden hatte. Dabei waren Giftgas aus Artilleriegeschossen und Bomben sowie Brandbomben gegen Dörfer als Massenvernichtungswaffen gegen äthiopische Krieger und die Zivilbevölkerung eingesetzt worden.

    Die Division „Pusteria“ befolgte wie alle anderen Truppen die Weisung des italienischen Oberkommandos, die gegnerischen Truppen nach Möglichkeit vollständig zu vernichten. Äthiopische Gefangene wurden zumeist entweder sofort oder nach dem Herauspressen militärischer Informationen erschossen. Mit der Errichtung großer Gefangenenlager gab man sich erst gar nicht ab.

    Als die moderne Kriegsmaschinerie über die schlecht bewaffneten Stammeskrieger gesiegt hatte, Kaiser Haile Selassie außer Landes hatte flüchten müssen und Mussolini das neue „Imperium“ ausgerufen hatte, war das faschistische Italien in einen kollektiven Siegestaumel verfallen und ein wahrer Regen von goldenen und silbernen Tapferkeitsmedaillen war auf die italienischen Offiziere und Truppenteile niederprasselt.

  • #2

    SSB (Montag, 11 April 2011 21:57)

    Die Gräuel

    Der „heldenhafte“ italienische Sieg war durch überlegene Technik, grausame Massenvernichtungswaffen (Giftgas), Zerstörung der der Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung (Brandbomben auf Dörfer, Viehherden und Felder) und Terror herbeigeführt worden. Auch die General Pirzio Biroli unterstellten Truppen, wie die Alpinidivision Pusteria, waren an „Säuberungsaktionen“, Repressalien, Hinrichtungen und Blutbädern beteiligt.

    Bereits im Jänner 1936 hatte das an sich nicht sehr zimperliche italienische Oberkommendo den General ermahnen müssen, wahllosen Erschießungen, Vergewaltigungen, Brandstiftungen und Plünderungen Einhalt zu gebieten.

    Als Statthalter der nördlichen Provinz Amhara errichtete Pirzio Biroli ein wahres Schreckensregiment, so daß der Widerstand der Zivilbevölkerung wuchs und Partisanenaktionen einsetzten.

    General Pirzio Biroli beantwortete dies mit äußerster Grausamkeit: Gefangene wurden mit Spitzhacken erschlagen, andere Opfer wurden lebendig angezündet, Menschen wurden Steine um den Hals gebunden und sie wurden lebendig im Tana-See versenkt.

    Dorfchefs schlug man mit Hämmern die Schädel ein, Dörfer wurden abgefackelt, Zivilisten, die sich in Kirchen geflüchtet hatten, gnadenlos umgebracht.

    Im Mai 1937 berichtete General Pirzio Biroli in verlogener Weise nach Rom: „Die Besetzung ist nun abgeschlossen, und es gibt keine Form politischen Widerstands mehr. Die Akzeptanz des neuen Staates bei der Bevölkerung ist mehrheitlich spontan und echt.“

    Pirzio Biroli hatte über die Ruhe eines riesigen Friedhofs – der von ihm beherrschten Provinz Amhara – berichtet.

    Nun konnte im Jahr 1937 auch die Alpinidivision „Pusteria“ wieder nach Italien repatriiert werden. Ihre nächsten „Heldentaten“ sollte sie dann auf dem Balkan vollbringen.

    Heuchelei statt Sühne und Reue

    General Pirzio Biroli mußte sich auch nach dem Krieg nie als Kriegsverbrecher verantworten, obwohl er auf der Kriegsverbrecherliste der „War Crimes Commission“ der Vereinten Nationen (UNWCC) ganz oben an prominenter Stelle stand.

    Die italienische Nachkriegs-Regierungen widersetzten sich erfolgreich dem Verlangen nach juristischer Aufarbeitung der begangenen Kriegsverbrechen, lag es doch in Roms Interesse, die Schurkenrolle der Vergangenheit allein Deutschland zu überlassen und vorzugeben, selbst als Bündnispartner der „deutschen Schurken“ noch einen „sauberen Krieg“ geführt zu haben.

    Die Alliierten spielten dieses heuchlerische Spiel mit, denn man benötigte Italien wieder als strategischen Verbündeten im Mittelmeerraum. So entkam auch der Massenmörder und Schlächter Pirzio Biroli der Sühne und Buße und die Alpinidivision „Pusteria“ wird heute noch auf italienischen Veteranentreffen hoch geehrt.

    Alpinidenkmal ist „Ausdruck des Einsatzes und der Opferbereitschaft“

    Von dem ihr gewidmeten faschistischen Denkmal konnte der Statthalter Roms in Südtirol, der Quästor von Bozen, in seinem Bescheid vom 14. April 2009, mit welchem er die Versammlung der Südtiroler Schützen auf dem Kapuzinerplatz in Bruneck am 25. April 2009 unter Heranziehung eines alten faschistischen Gesetzes (!) verbot, unverfroren behaupten, daß „das Denkmal als Ausdruck des Einsatzes und der Opferbereitschaft der Angehörigen aller Sprachgruppen empfunden wird, welche ihren Dienst beim Alpini-Korps geleistet haben.“