Gedenkjahr 2009
Werbefolder der Projektgruppe "bruneck1809"
Im vergangenen Gedenkjahr fanden elf Veranstaltungen im Rahmen des Pilotprojektes "bruneck1809" statt.
Hier finden Sie dazu eine kurze Rückschau.
Andreas-Hofer-Informationsbus
Der Andreas−Hofer−Bus, der im Gedenkjahr 2009/10 durch die Lande tourt, steht für moderne Geschichtsvermittlung. Von Jänner 2009 bis Februar 2010 werden jene Stationen angefahren, an denen sich Andreas Hofer vor 200 Jahren aufgehalten hat, zudem werden Informationsabende im Sinne der Erwachsenenbildung angeboten.
Bei den Abendveranstaltungen wird zunächst mittels eines 20−minütigen Dokumentarfilms ein Überblick über die Person Andreas Hofers - eingebettet in die Ereignisse um 1809 - gegeben. Nach der Diskussion werden anhand einer Quizfrage zwei Bücher zum Thema "Andreas Hofer" verlost. Abschließend werden die Besucher über die neuere Literatur informiert und können Bücher und Shop−Artikel kaufen.
Biographie Andreas Hofers
Um die Person Andreas Hofer ranken sich viele Geschichten und Heldentaten, in denen sich geschichtliche Tatsachen mit mythischem Gedankengut vermengen. Ebenso versuchte die Wissenschaft Antworten darauf zu finden, so dass bereits jetzt eingehende Studien dazu vorliegen. Trotzdem gilt die Analyse zu dieser Tiroler Persönlichkeit noch nicht abgeschlossen. Vor allem das Leben des Sandwirts, seine Jugendzeit, die Aspekte, die erklären können, wie er in die Rolle des Oberkommandanten von ganz Tirol hineingewachsen ist, bedarf einiger Erklärungen.
Andreas Oberhofer, der im Gedenkjahr eine neue Publikation vorlegt präsentiert diese neuesten Erkenntnisse, die im sozialgeschichtlichen Bereich anzusiedeln sind und eine Lücke in der Forschung schließt. Die Frage, die sich dabei stellt, ist die nach dem Menschen − nicht aber die nach dem Helden: War Andreas Hofer ein typischer Tiroler des ausgehenden 18. Jahrhunderts, ein Kind seiner Zeit?
Anno Neun: Kritische Essays (Sammelband) Die Geschichte des Andreas-Hofer-Mythos
Ausgehend von der starken Neigung der konservativen Tiroler Geschichtsschreibung zum Heldentum, die sich vor allem am Beispiel Andreas Hofers und der Erhebung 1809 besonders verdeutlicht, versucht Helmut Reinalter eine Objektivierung und Entmythisierung dieser Jahre vorzunehmen.
In diesem Zusammenhang stellt sich allerdings die Frage, wofür oder wogegen eigentlich die Tiroler gekämpft haben. Sicher gegen die Ideen der Aufklärung, die auch in Tirol abgeschwächt Fuß fassen konnten, für den Absolutismus und habsburgischen Obrigkeitsstaat, gegen die bürgerlichen Freiheiten, auch gegen das napoleonische System und den Zentralismus der Bayern. Dabei wird verdrängt, dass es neben den Tiroler Freiheitskämpfern auch oppositionelle Stimmen zum Aufstand 1809 gab. Diese kamen besonders aus dem liberalen Bürgertum der Städte, aus Intellektuellenkreisen und zum Teil auch aus dem gemäßigten Klerus.
Ergänzungen zum Andreas-Hofer-Mythos legt Wolfgang Knapp in seiner Dissertation vor.
Andreas Hofer - Eine illustrierte Geschichte
Der Autor Norbert Parschalk erzählt gemeinsam mit dem Illustrator Jochen Gasser auf humorvolle Weise die Geschichte von Andreas Hofer, dem Sandwirt aus dem Passeiertal. Die auf 80 Seiten zusammengefasste "illustrierte Geschichte" bildet in ihrer grafischen und sprachlichen Gestaltung einen neuen Zugang zum Leben Andreas Hofers und zum Geschehen im Jahre 1809.
Wenn auch Texte und Illustrationen nur den alten "Hofer-Mythos" widerspiegeln und selten den Tiroler Volkshelden und die Ereignisse im Jahre 1809 kritisch hinterfragen, so bietet die Erzählung den Lesern zahlreiche Möglichkeiten und Ansätze, sich eigenständig mit diesem ganz besonderen Kapitel der Tiroler Geschichte kritisch auseinanderzusetzen.
Militärhistorische Studie für das mittlere Pustertal
Anhand von militärischen Kartenmaterial zeigt Heimatforscher Günther Obwegs die Gefechte im Raum Bruneck auf und stellt diese in einen historischen Kontext . Mit modernen Mittel der visuellen Technik wird der Zuseher in die damaligen Ereignisse entführt, um eine Vorstellung von den Kämpfen im Pustertal zu erhalten. Diesbezüglich spielt die strategische Vorgehensweise der französischen Truppen eine Rolle, die im Dezember 1809 auf den erbitterten Widerstand eines "stehenden Bauernheeres" prallte. Außerdem referiert der Autor über die gängige Ausrüstung und Bewaffnung, präsentiert Bodenfunde und Gegenstände von den damaligen Kämpfen und setzt diese − soweit möglich − mit den Örtlichkeiten des Geschehens in Zusammenhang.
Alltag, Lebensart und Glaubensformen in der Zeit um 1800 (Themenführung)
Die tragenden Schichten der Volkserhebung waren Bauern, Knechte und Handwerker. Die Lebensweise dieser Menschen kann nirgendwo besser oder deutlicher vor Augen geführt werden als im Volkskundemuseum in Dietenheim, wo die alten, originalen Wohnstätten aufgestellt sind. Man findet die Kleidung, die vielfältigen Arbeitsgeräte, die bescheidenen Hilfsmittel der Volksmedizin und die beeindruckenden Zeugnisse der Volksfrömmigkeit.
Davon ausgehend legt Hans Griessmair, ehemaliger Direktor im Volkskundemuseum von Dietenheim, den Fokus seiner Ausführungen in erster Linie auf den Zeitraum von 1800, um ein genaues Bild von den alltäglichen Lebensumständen in jenen Jahren zu zeichnen.
Für die Heimat und gegen die Reform – Der Aufstand der Tiroler im Jahre 1809
Das Jahr 1809 feiert als Dokumentarfilm Premiere! Die Filmgesellschaft Geosfilm präsentiert einen 45-Minuten Film, der im RAI Sender Bozen und auf 3sat gezeigt werden soll.
Zu sehen sind Einzelmotive und Dialoge, das Tiroler Treuegelöbnis und die Hinrichtungen, die Tätigkeit Andreas Hofers und seiner führenden Truppe sowie die anschließende Landesteilung.
Vorausgeschickt: Der Film ist keine Wiedergabe der Schlachten und der politischen Verhandlungen und Abmachungen, sondern will einen generellen Blick über die Ereignisse um 1809 geben. Soziale Verhältnisse werden genauso betont wie wirtschaftliche und kulturelle, wenn auch der Politik zwischendurch Priorität eingeräumt werden muss. Wesentlich für den Film ist, dass die Stimmung der Menschen, sei es auf der Seite Tirols/Österreichs, sei es auf der der Gegner reflektiert wird. Die unmittelbare Rezeption und die Gegenwartsaufarbeitung sind zentrale Elemente. So wird z. B. der Frage nachgegangen, was den Menschen von heute das Jahr 1809 bedeutet, in wie weit Wien und den benachbarten österreichischen Bundesländern die Geschehnisse um 1809 noch ein Anliegen sind.
Ausstellung im Seeböckhaus
Der Schwerpunkt für die Ausstellung bilden Objekte aus dem Brunecker und Pusterer Raum, die sich aus den Jahren der Tiroler Erhebung 1809 erhalten haben und vorwiegend aus privaten Beständen das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Der militärische und waffentechnische Aspekt: Kanonenkugel, Säbel und Stutzen sowie die originale Brunecker Schützenfahne. Porträts, Karten der Truppenbewegungen und Kampfabläufe, Darstellungen der Bewaffnung und Bekleidung, Orden und militärische Musikinstrumente.
Kultur- und sozialgeschichtliche Aspekt: Broschen von Festschießen, Photos, Ansichtskarten, Alltagsgegenstände, eine Kopie des Steckbriefes von Marschall Lefébvre, ein französischer Kalender und französische Geldscheine, Bücher und Devotionalien.
Trotz Triumpf Trauma (Wanderausstellung)
Ein Mann aus dem Passeiertal verlor in seiner frühesten Kindheit seine Eltern und musste deshalb ganz schnell erwachsen werden. In der Schule lernte er lesen und schreiben, am Nonsberg sogar die italienische Sprache. Der Wirt, Vieh- und Weinhändler wurde nicht nur Oberkommandant, sondern auch Landesregent von Tirol. Seinem größten Erfolg folgte nur kurze Zeit später die bitterste Niederlage, die mit dem Tod endete. Ein Leben mit vielen Höhen und Tiefen.
Wäre so ein Lebensweg heute noch denkbar? Was würde nach über 200 Jahren wohl anders laufen? Was würde gleich bleiben? Diese und noch viele weitere Fragen laden dazu ein, nicht nur über das Thema nachzudenken, sondern eigenständig mögliche Antworten zu suchen.
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