Erlebte Geschichte - von Südtirol zur Ex-DDR
S t u b e n g e s p r ä c h Die Option, die die Südtiroler vor die Wahl stellte, entweder in das Deutsche Reich auszuwandern oder in Südtirol zu bleiben und die Italianisierung über sich ergehen zu lassen, spaltete die damalige Gesellschaft. Dazu kam die faschistische Willkür, die viele Familien in Verzweiflung und in den finanziellen Ruin trieben.
Am Ende verließen rund 75.000 Menschen ihre Heimat, von denen rund 20.000 zurückkehrten.
Regina Stockner/Milland und Brigitte Comploj/Bruneck erlebten diese Zeit unmittelbar mit.
Beide Zeitzeugen "gingen" jedoch einen anderen Weg. Während Regina Stockner die Untaten des Faschismus an der eigenen Haut erlebte und das Ende des Zeiten Weltkrieges als Hoffnung empfand, kam Brigitte Comploj nach Magdeburg/Norddeutschland.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde dieses Gebiet russische Besatzungszone und später die berüchtigte DDR. Unter der Knute der sozialistischen Machthaber wurde ihr der Besuch einer Oberschule verwehrt und den Adoptiv-Eltern ihre wirtschaftliche Existenz genommen. Mit 15. Jahren nahm Brigitte Comploj am bekannten 1. Volksaufstand der Bürger teil, der von Panzern niedergeschlagen wurde. Erst nach 36 Jahren sollte die Mauer fallen. Heute lebt sie wieder in ihrer alten Heimat.
Schule - früher und heute
S t u b e n g e s p r ä c h Geregelte schulische Bildung kann auf dem Gebiet des heutigen Südtirol bis auf das Jahr 1000 dokumentarisch zurückverfolgt werden. Die Anfänge bildeten die kirchlichen Bildungsstätten. Ihnen folgten später im Hochmittelalter die Lateinischen Stadtschulen, die durch die „Erste Tiroler Schulordnung“ von 1586 in der Organisation und in den Studieninhalten vereinheitlicht wurden. 200 Jahre später ließ Kaiserin Maria Theresia das Schulsystem grundlegend erneuern und führte die sechsjährige Schulpflicht ein. (Annemarie Augschöll)
Karlheinz Bachmann begibt sich zurück zu den „Anfängen des Pflichtschulwesens in der Pfarrei Pfalzen“ und versucht anhand von Primärquellen die Konstruktion eines kollektiven Gedächtnisses, das die gesellschaftlichen Verhältnisse wie Krieg, Faschismus, Option, Armut und Wohlstand berührt.
Ausgehend von der Familienforschung beschäftigt sich Rudolf Fischer vordergründig mit Schuldokumenten. Anhand von Schulzeugnissen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis zum heutigen Tag zeigt er den gesellschaftspolitischen Wertewandel auf.
Die Feuerbestattung in Südtirol
I n f o r m a t i o n s a b e n d Der Platzmangel in den Friedhöfen verlangt von den größeren Gemeinden in Südtirol zusehends eine alternative Lösung zur Erdbestattung. Auch Bruneck ist davon unmittelbar betroffen, sodass klare Spielregeln (Verordnungen) und eine transparente Aufklärung Not tut.
Im kirchlichen Bereich können hingegen durch die neue Bestattungsform typische Bräuche und Rituale in der Liturgie verwässert oder auch abhanden kommen, die den Gläubigen Orientierung und Sinngebung verschaffen. Die christliche Tradition, in der nach wie vor viele Menschen Halt finden, Trauerbewältigung leisten können und die unmittelbare Nähe zu Gott verspüren, kann so in ihrer fundamentalen Bedeutung relativiert werden.
Davon abgesehen ist die Ortskirche von Bruneck im Todesfall auch für konfessionslose Bürger bzw. Angehörige anderer Religionen die erste Anlaufstelle. Schwierigkeiten in der Handhabung sind vorprogrammiert und bedürfen nach Möglichkeit einer Regelung.
In der Summe geht es also darum, Rechtssicherheit in der Bevölkerung zu schaffen und den Gläubigen pastorale Orientierung zu geben.
Abschließend sei darauf verwiesen, dass bestimmte Denkmuster und Handlungsweisen, Rituale und Bräuche beim Tod eines Menschen dazu gehören und sich gesellschaftsspezifisch herausgebildet haben. Die Erinnerungs- und Gedächtniskultur spielt für eine Gesellschaft eine zentrale Rolle, will sie ihr kollektives Bewusstsein verstehen und einen Sinn im irdischen Dasein erkennen. Geschichte und Zukunft bedingen sich gegenseitig und sollen als fundamentale Eckpfleiler.
Der Waldfriedhof - stilles Mahnmal am Kühberg
T h e m e n f ü h r u n g Seit fast 100 Jahren besteht der Waldfriedhof in Bruneck, dessen Gräber die Besucher zum Nachdenken über die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt mahnen. Neben dem geschäftigen Treiben im Pustertaler Hauptort ist dies ein Ort der Ruhe und der Besinnung. Ein Besuch des Waldfriedhofes ist das Kennenlernen der Geschichte unseres Landes vom Beginn des 20. Jh. an.
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